Comic zur Aidsaufklärung (AWO Schwaben)

 
 

 

1. Das Projekt


1.1 Aufhänger

Im Sommersemester 2013 führten wir, vier Studierende der Medien und Kommunikation der Universität Augsburg, im Rahmen des Seminars Service Learning ein Projekt durch. Der Service bestand darin, für das Zentrum für Aidsarbeit Schwaben in Augsburg (ZAS) ein Hilfsmittel zu erstellen, das zur Aufklärungsarbeit an Schulen eingesetzt werden könnte und sich als Methode bewähren würde, Jugendlichen an das Thema Verhütung zur Verhinderung von AIDS heranzuführen.


1.2 AIDS, HIV

Insgesamt sind es nur sieben Buchstaben, doch unverhältnismäßig größer ist das Unbehagen, das sie bei vielen Menschen auslösen. Es gibt zwar Medikamente, die diese Erkrankung behandeln können, aber heilbar ist sie bis zum heutigen Tag nicht. Das HI-Virus wird speziell durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen und führt zu der Krankheit “Acquired Immunodeficiency Syndrom” (AIDS). In der Folge können bestimmte, zum Teil lebensbedrohliche Symptome auftreten, zum Beispiel schwere Infektionskrankheiten und Tumore (für weitere Informationen siehe http://www.gib-aids-keine-chance.de/wissen/hiv_aids.php).

 

1.3 Der Projektpartner

Um Menschen, die HIV-infiziert sind, in ihrer Situation nicht alleine zu lassen, haben sich Institutionen etabliert, die sich den Erkrankten annehmen und ihnen Unterstützung geben. So besteht auch das Zentrum für Aidsarbeit Schwaben (ZAS) in Augsburg seit … und gibt Hilfesuchenden Halt. Das ZAS ist eine gemeinnützige Organisation, die aus der deutschen Arbeiterwohlfahrt (AWO) hervorgegangen ist. Sie zählt derzeit 9 aktive Mitarbeiter. Menschen, die HIV-infiziert sind, sowie deren Angehörigen und Freunde, können sich ratsuchend an die Organisation wenden und erhalten dort Hilfe, um mit der Krankheit umzugehen. Grundsätzlich legt das ZAS Wert auf Vertraulichkeit und Schweigepflicht, sodass die Anonymität der Klienten gewahrt bleibt. Neben einer individuellen Beratung zum Umgang mit der Krankheit, werden die Besucher auch auf psychosozialer Ebene begleitet.

Das Aufgabenfeld des ZAS beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Annahme Betroffener. Die Organisation leistet auch einen Beitrag, um das Thema AIDS und HIV in die Öffentlichkeit zu tragen und die Gesellschaft darauf aufmerksam zu machen. Dadurch soll die Solidarität mit Betroffenen gefördert werden. Weiterhin umfasst das Aufgabenfeld des ZAS auch die Präventionsarbeit, um die Gefahr von Neuinfektionen zu reduzieren. Durch Veranstaltungen versuchen die Mitarbeiter ein ganzheitliches Verständnis von AIDS unter den Menschen zu schaffen, indem sie umfassende Informationen liefern. Solche Aufklärungen werden für ganz unterschiedliche Zielgruppen durchgeführt. Schwerpunktmäßig begeben sich die Mitarbeiter des ZAS jedoch in die 7. bis 10. Klasse an Schulen. Denn insbesondere während der Pubertät sollte Wert auf eine solide Aufklärung gelegt werden.


Projektpartnerin Bettina Schmidt

Projektpartnerin Bettina Schmidt vom ZAS


1.4 Die Projektidee

Für Präventionsveranstaltungen dieser Art benötigen die Mitarbeiter Materialien, um den jungen Teilnehmern das Thema anschaulich zu vermitteln. Davon ausgehend entstand unsere Idee für das Service Learning Projekt.Wir setzten uns zum Ziel, ein Instrument zu entwickeln, das zur Aufklärungsarbeit an Schulen eingesetzt werden könnte. Es muss also sowohl männliche als auch weibliche Jugendliche im Alter von 13 bis 18 Jahren ansprechen. Durch einen hohen Grad an Anschaulichkeit sollte es den Schülern die Themen Verhütung, Geschlechtsverkehr und sexuell übertragbare Infektionen vermitteln.

Darauf aufbauend fassten wir den Entschluss, Comics zu entwerfen, die ebendiese Themen behandelten und damit als Gesprächsanreize in den Schulklassen dienen könnten. Eine Diskussion sollte angeregt/ entfacht werden. Wir entschieden, zu diesem Zwecke mehrere verschiedene Comics zu erstellen, sodass alle Themenbereiche adäquat abgedeckt werden könnten und verschiedene Personengruppen, wie zum Beispiel Mädchen und Jungen oder homo- und heterosexuelle Jugendliche, innerhalb der Klasse angesprochen würden.








2. Präsentation der Ergebnisse

 

2.1 Verwendete Programme



 

Pixton


Wir entschienen uns für das online verfügbare Programm Pixton zur Verwirklichung unseres Projektes. Mit dem eigenen Account bietet das Proramm unzählige Möglichkeiten zur einfachen Comic-Erstellung. Für beinahe jede Situation findet sich ein sinnvoller Hintergrund und passende Figuren. Diese können beliebig farblich gestaltet und ausgerichtet werden. Für die Figuren wählten wir meist eine Stellung aus den vorgegegbenen Positionen aus. Anschließend perfektionierten wir sie durch Bewegen der einzelnen Gliedmaßen. 

Um die Möglichkeiten von Pixton kennenzulernen, erkundete zunächst jedes Teammitglied selbständig das Programm. In der Erstellung der eigenen Probecomics fanden wir eine Vielzahl an Gestaltungsmöglichkeiten. Uns beeindruckte, wie detailliert man Hintergrund und Figuren aufschlüsseln und bewegen konnte: Sogar einzelne Gesichtspartien, wie Mundwinkel, Augenbrauen und Pupillen sind beliebig auszurichten. Das machte es uns möglich, die Figuren auch in intimen Situationen darzustellen. Jedoch wurde die Erstellung der Comics durch die Viezahl an Möglichkeiten und detaillegenauigkteit auch sehr mühsam und zeitaufwändig.


Erster Testcomic: Pixton bietet viele Möglichkeiten zur Gestaltung von Comics

 

 

 


Datei:Photoshop-Logo.svg

Photoshop


Problematisch an der Arbeit mit sexualaufklärenden Inhalten war, dass Worte wie „Sex“ und „Kondom“ von Pixton zensiert werden. Genauso können die Figuren nicht nackt dargestellt werden. Außerdem war die Ausgabequalität nicht zufriedenstellend, weshalb Screenshots weiter verarbeitet werden mussten. Dies machte ein Nachbearbeitung mit einem Grafikprogramm unumgänglich. Wir griffen hierfür auf die bewährte Profi-Software Photoshop von Adobe in der Version CS6 zurück.


2. 2 Entwicklung der Comics


Das erste Konzept für einen Präventionscomic sollte zum Thema „Verhütung“ sein. Um eine geeignete Situation zu finden, versuchten wir uns in die Lage zweier Mädchen zu versetzen, die sich darüber unterhielten. Aus dem Gespräch entstand der Text für unseren ersten Comic. Besonders knifflig war es, eine authentische und jugendliche Formulierung zu finden. Hier gingen die Meinungen für einzelne Begriffe stark auseinander. Bei der Gestaltung in Pixton entschieden wir uns für einen kurzen Comic mit offenem Ende. Die heftige Reaktion des dunkelhaarigen Mädchens im letzten Bild soll eine Diskussion in der Klasse anstoßen. Die Vertreter des ZAS können dann vermittelnd eingreifen und das Gespräch über „Verhütung“ leiten. Je länger wir mit dem Programm arbeiteten, umso mehr Gestaltungsmöglichkeiten lernten wir kennen. Unser erster Entwurf wurde deshalb noch einige Male überarbeitet, bis zur endgültigen Fassung.

 



















 





Erster Entwurf: “Gespräch unter Freundinnen”




Zweiter Entwurf: “Gespräch unter Freundinnen”



Finale Version: “Gespräch unter Freundinnen”

 

Anhand der ersten Szene wurden nun weitere interessante Gesprächsthemen und Geschichten erarbeitet, im Team und mit Bettina gemeinsam diskutiert und letztlich in schlüssigen Konzepten festgehalten. Nachdem jeweils die motivische Bilder-Abfolge und der zugehörige Text entworfen waren, erstellten wir daraus die übrigen Comics mit Hilfe von Pixton. Beim kreativen Gestaltungsprozess entstanden viele originelle Ideen. Unerwartete Probleme und Anpassungen im Layout wurden dabei direkt eingearbeitet. Diese Weiterentwicklung während der Arbeit lässt sich auch gut an der obigen Bilderfolge erkennen. Neue Dialoge entstanden, unglaubwürdige Ideen wurden wieder verworfen - am Ende produzierten wir fünf verschiedene Szenarien in jeweils drei bis vier verschiedenen Varianten. Insgesamt also 17 Comics, die das ZAS in der Präventativarbeit und Sexualaufklärung einsetzen kann.


2.3 Inhaltliche Konzeption und Einsatzmöglichkeiten


Das erste verarbeitete Thema ist die Verhütung beim Geschlechtsverkehr. Davon wurde sowohl die Szene mit zwei Freundinnen (siehe Beispiel oben) als auch eine mit zwei männlichen Charakteren umgesetzt. So sollte sich jeder in der Klasse, unabhängig vom Geschlecht, gleichermaßen angesprochen fühlen und sich mit den gezeigten Figuren identifizieren können. Denkbar wäre auch, beide Comics einzusetzen, um geschlechtsspezifisch einen (sprachlichen) Vergleich zu ziehen. Ein inhaltlicher Unterschied zwischen den beiden Szenarien wird ebenfalls deutlich: Die beiden Mädchen sprechen vor dem Geschlechtsverkehr über Verhütung und planen das erste Mal mit dem Freund. Die zwei Jungs hingegen sprechen hinterher über die Nacht und stellen dabei fest, dass sie unterschiedliche Einstellungen zum Schutz haben. Ebenfalls ein Punkt, der bei der Prävention mit den Jugendlichen besprochen werden kann: Wann sollte das Thema Verhütung thematisiert werden?


Eine andere zentrale Thematik ist der HIV-Test. Hierzu wurden eine heterosexuelle und eine homosexuelle Szene angefertigt. Da die HIV-Infektion bei Lesben kaum eine reelle Gefahr ist, handelt es sich bei der homosexuellen Version um zwei Schwule. In beiden Ausführungen sieht man die Figuren halb entkleidet miteinander im Bett liegen. Es findet kein Gespräch statt, jedoch sieht man in Gedankenblasen, was in den Köpfen der beiden vorgeht: Beide möchten einen HIV-Test ansprechen, trauen sich aber nicht oder haben zumindest keine passende Formulierung in der Situation parat. Neben der erhöhten Ansteckungsgefahr für die Risikogruppe männlicher Homosexueller bietet es sich an, in der Aufklärungsstunde gemeinsam zu überlegen, wie man „im Eifer des Gefechts” ein so heikles Thema ansprechen kann. Die Jugendlichen können Formulierungen sammeln oder darüber diskutieren, ob es in der Situation überhaupt angesprochen werden soll. Auch als Überleitung zu Informationen, worum es sich bei einem HIV-Test eigentlich konkret handelt, ist der Comic geeignet.

Eine unvorhersehbare Schwierigkeit trat in der Darstellung des Männerpärchens auf: Die eine Figur wirkte im Entwurf sehr weiblich, was zu Missverständnissen hätte führen können. Und selbst wenn die Charaktere als zwei Schwule erkannt wurden, bediente der Comic dadurch störenderweise ein Klischee des übermäßig femininen Auftretens. Deshalb wurde die Figur komplett neu gestaltet und in die Szene eingearbeitet.


Die letzte Szene spielt ebenfalls im Schlafzimmer. Es geht auch um Verhütung, jedoch dreht sich der Comic hier darum, wie unterschiedlich eine erotische Situation wahrgenommen werden kann. Ein Pärchen liegt halbentkleidet im Bett. Das Mädchen macht sich Gedanken über die Verwendung eines Kondoms und wie sie ihn danach fragen könnte, während der Junge sich auf eine oberflächliche Art nur auf den bevorstehenden Akt freut. Dieser Comic bietet einen Gesprächsanreiz für Geschlechterunterschiede, Missverständnisse und falsche Annahmen beim Sex, den Mut, das Thema Verhütung im Bett anzusprechen, und nochmals die Schwierigkeit, die geeigneten Worte zu finden.


Das Ende dieser fünf verschiedenen Szenarien variierten wir jeweils. Bei manchen ist bereits ein Ausruf oder eine Aussage vorgegeben (siehe Beispiel oben). In einer Abwandlung wurde auf die Sprechblase verzichtet und nur die Situation an sich gezeigt. In einer weiteren Variante ist das letzte Bild schwarze eingefärbt mit einem weißen Fragezeichen in der Mitte. Die für die Präventionsarbeit an Schulen wohl interessanteste Variation zeigte im letzten Bild eine große, leere Sprechblase, die von den Schülern individuell ausgefüllt und anschließend verglichen werden kann.

Bettina freute sich sehr über die flexible Gestaltungsmöglichkeiten (männlich-weiblich, hetero-homo, offenes-geschlossenes Ende, Test-Verhütung, Vorbereitung-Mittendrin-Nachbesprechung), weil sie dadurch für jede Situation und jedes Klientel mit einem passenden Comic ausgerüstet sei.


2. 4 Digitale Nachbearbeitung


Trotz des großen Funktionsumfangs von Pixton konnte für unsere Zwecke, wie bereits erwähnt, kein endgültiger Comic damit fertiggestellt werden. Deshalb editierten wir die Grafiken mit Adobe Photoshop.

Ein Problem war die Qualität der exportierten Grafiken. Diese war zu gering für einen hochwertigen Druck. Aus diesem Grund fertigten wir Screenshots von den vergrößerten Bereichen des Editors an und setzten sie wie in einem Flickenteppich in Photoshop zu einem Ganzen zusammen. Dadurch konnte die Auflösung sogar verdoppelt und die Comic-typischen harten Kanten gewährleistet werden.

Dabei wurden auch einzelne Elemente ergänzt, die so in Pixton nicht erreicht werden konnten. Beispielsweise wurde im Fernseher des Jungenzimmers ein Fußballspiel eingefügt, anstatt nur eine graue Fläche zu zeigen.

 

Die nächste Hürde war die Schimpfwort-Zensur von Pixton, die auch Begriffe wie „Kondom” durch willkürliche Symbole ersetzte. Als Platzhalter verwendeten wir in diesem Beispiel zunächst die Schreibweise mit r und n anstatt m (Kondorn) und korrigierten hinterher in Photoshop die Feinheit mit einem m aus einem anderen Wort. Durch dieses Vorgehen konnten alle Begriffe problemlos trotz Filter verwendet werden und wir waren in der Wortwahl dadurch glücklicherweise nicht eingeschränkt.

 

Das Hindernis mit den wohl schwerwiegendsten Konsequenzen war der Umstand, dass Figuren in Pixton nur bekleidet dargestellt werden können. Für eindeutige Bettszenen war es jedoch wichtig, Figuren zumindest halbnackt, also ohne Oberteil, zu zeigen. Die einzige Lösung, zu der wir an dieser Stelle gekommen sind, war eine hautfarbene Färbung der Kleidung und die anschließende Retouche der überflüssigen Konturen. Der Vorgang wurde im unten folgenden Video veranschaulicht. Im direkten Vergleich sieht das Ergebnis wie folgt aus:


Vor und nach der Kleidungs-Nachbearbeitung

 
 

Dieser Vorgang war sehr mühsam und erforderte viel Zeit und Konzentration, da feine Detailarbeit mit unterschiedlichen Werkzeugen notwendig war. Leider ließ sich der Fortschritt auch nicht von einem Comic auf den anderen übertragen, da die Bildausschnitte im Einzelnen zu stark voneinander abwichen.

Natürlich musste nicht nur entfernt werden, was an Kleidung überflüssig war, sondern auch ergänzt werden, was von der Kleidung verdeckt wurde. Bei den männlichen Brustwarzen war dies schnell getan. Die weiblichen Brüste hingegen sorgten für Schwierigkeiten. Es war keine Vorlage aus Pixton vorhanden und die Freihandzeichnung mit dem Pinsel-Tool aus Photoshop brachte nur unansehnliche Pixel-Haufen hervor. Die weiblichen Teammitglieder brachten die deutlich schöneren Brüste zustande als ihr männlicher Kollege, jedoch nur mit sehr großem Aufwand. Dieses Thema sorgte bis zu Letzt für Frust und sogar nach offiziellem Projektabschluss fühlte sich eine Mitarbeiterin motiviert, die weibliche Figur ein weiteres Mal zu überarbeiten. Bei nächster Gelegenheit werden diese Ergebnisse noch in Photoshop auf die verschiedenen Varianten angewandt und damit die Comics mit allgemeiner Zufriedenheit finalisiert.


Video1: Veranschaulichung des Nachbearbeitungsprozesses zur Nudifizierung der Figuren.
verfügbar unter: Video1 

 


2. 5 Pretest


Die Entwürfe der Comics testeten wir im Zeitraum vom 21. bis zum 24. Juli an zwei Jugendlichen. Um die Meinungen beider Geschlechter in der Zielgruppe abzudecken, zeigten wir sie einem 18-jährigen Jungen und einem 14-jährigen Mädchen getrennt voneinander. Nacheinander legten wir den beiden Probanden die Comics mit den vier Gestaltungsvarianten vor. Im Gespräch bekamen sie die Möglichkeit zu sagen, was ihnen gefiel, was sie störte oder wo sie sich anders ausdrücken würden. Dadurch wollten wir herausfinden, ob es Unklarheiten in der Formulierung oder Verständnisschwierigkeiten gab. Ebenso interessierte uns, welche Version der jeweiligen Comics ihnen am meisten zusagte und ob es eine gab, mit der sie nichts anfangen konnten. Die Verbesserungsvorschläge und Anmerkung wurden nach dem Pretest übernommen. Insgesamt fanden beide Jugendlichen die Comics ansprechend und hatten keine Verständnisschwierigkeiten.


Wie zu erwarten, fühlte sich der Junge vom „Gespräch unter Mädchen“ wenig angesprochen. Die Szene im Zimmer der Jungs konnte er dagegen besser nachvollziehen. Es schien ihm auch angenehmer zu sein, über diesen zu sprechen und er wurde deutlich ausführlicher: Die Formulierung „Spaß haben“ in Verbindung mit der Frage „Hattest du denn ein Kondom dabei?“ im nächsten Bild irritierte ihn zunächst. Er fand, dass man auch anders mit Mädels Spaß haben könne. Interssant wäre, wie seine Klassenkamerdaen dazu stehen. Den Ausruf im letzten Bild (“Äh, spinnst du?!”) kommentierte er mit einem Lachen: „Das würde kein Junge so sagen“. Auch unsere weibliche Probandin meinte, dass sich vor allem die Jungs in ihrer Klasse darüber lustig machen würden. „Es klingt zu aufgesetzt“.  Auf die Frage, mit welchen Worten Jugendliche reagieren würden, meinte der männliche Proband, dass sie sich eine Beleidigung an den Kopf werfen würden. Dies wollten wir aber, auch im Hinblick auf die Eltern der Schüler, nicht übertragen.

Im letzten Bild entzweite insbesondere die entsetzte Reaktion der Figur die Meinungen unser Probanden: Das Mädchen hatte Verständnis dafür, während der männliche Proband „Was ist denn daran so schlimm?“ kommentierte. Eine Diskussion wäre damit in der Klasse angestoßen.


Bei den Szenen im Bett störte unseren 18-jährigen Probanden die Formulierung:  „Wenn ich ihr jetzt mit ‘nem HIV-Test komme...“.  „Kommen“ war seiner Meinung nach im Zusammenhang zu mehrdeutig und wenig passend. „Ist er schon dabei oder kommt der jetzt um die Ecke mit nem‘ Test in der Hand?“. Unsere weibliche Probandin bemerkte, dass die Brüste des Mädchens „komisch aussehen“ würden. Sie meinte, dass das in der Klasse vermutlich für Belustigung sorgen und vom eigentlichen Thema ablenken würde. Dem Jungen wären die Brüste nicht negativ aufgefallen. Im Vergleich fand er jedoch aber auch die verbesserte Version ansprechender.

Die Bettszene der beiden homosexuellen Männer war nach Meinung unseres männlichen Probanden klischeehaft: Es schien ihm, dass das Vorurteil „Alle Schwulen haben AIDS“ aufgegriffen würde. In der Klasse könnte das für Diskussionen sorgen. Die weibliche Pretesterin sprach sich hingegen dafür aus, dass es wichtig sei, auch auf diese Thematik einzugehen.


Sie bewertete es auch als gut, dass wir verschiedene Enden für die Comics gemacht hatten. „Das bringt ein bisschen Abwechslung rein“. Insgesamt fand sie die Version Bild am Ende ohne Sprechblase am interessantesten.

Unserem männlichen Probanden gefiel allerdings die Versionen mit den Sprechblasen am besten. Die Fassung mit dem schwarze Bild zum Schluss irritierte ihn hingegen. Bei den offenen Sprechblasen meinte er, dass die Klasse etwas anderes als erwartet hineinschreiben würde. Da das ZAS aber keine bestimmten Erwartungen hat, sondern unterschiedliche Meinungen und Ansichten im Gespräch aufgreifen will, müsste dadurch eine Diskussion provoziert werden können.


Verfügbar unter: Audio 1




 



3. Fazit

 

3.1 Bewährte Methoden


Zielgruppengerechte Gestaltung der Comics


Um die Comics passend für die Zielgruppe gestalten zu können, musste diese vorab zusammen mit dem Projektpartner definiert werden. Bettinas Informationen zum Alter und bestimmten Verhaltensweisen der Schüler waren notwendig, um die Comics auf die Adressaten abstimmen zu können. Nur so konnte erreicht werden, dass diese sich von den Ergebnissen angesprochen fühlen. Bei der Gestaltung versuchten wir stets, die Comics aus der Sicht der Zielgruppe zu sehen und uns bspw. zu fragen, was den Schülern als unstimmig auffallen würde. Dennoch bewährte sich der bereits geschilderte Pretest, um die Wirkung der Comics an Außenstehenden zu testen, da wir uns schon zu lange mit den Comics beschäftigt hatten, um diese noch objektiv beurteilen zu können.

Technische Werkzeuge


Bezüglich der Technik ist in erster Linie das Programm „Pixton“ zu nennen, ohne welches die Realisierung des Projekts nicht möglich gewesen wäre. Wir waren begeistert von der einfachen Bedienung und davon, wie detailliert man Dinge mit „Pixton“ darstellen kann. Es machte Spaß, mit dem Programm zu arbeiten und stellte einen ganz neuen Weg dar, Inhalte zu verarbeiten.


Daneben waren gängige technische Hilfsmittel für die Zusammenarbeit unvermeidlich: Neben E-Mails zur Kommunikation mit den Dozenten und dem Projektpartner erleichterten uns die vergleichsweise neueren Werkzeuge Dropbox, GoogleDocs und Facebook die Zusammenarbeit innerhalb der Gruppe. Dennoch waren Präsenztreffen wichtig, da vieles oft nur bewerkstelligt werden kann, wenn alle anwesend sind und nicht von anderen Dingen im Internet abgelenkt werden können.

Zusammenarbeit mit dem Projektpartner


Das ZAS brachte uns große Motivation und Begeisterung entgegen und ließ uns bei der Gestaltung der Comics viele Freiheiten. Wir konnten ohne starre Vorgaben kreativ arbeiten, sodass während des Arbeitsprozesses stets neue Ideen aufkamen, die zum Erfolg des Ergebnisses beitrugen. Zudem konnten wir in jeder Hinsicht auf die Unterstützung von Bettina zählen, welche sich viel Zeit für unser Projekt nahm. So informierte sie uns zu Anfang ausführlich über die Arbeit des ZAS und darüber, auf was wir bei den Comics achten sollten. Indem wir bspw. dafür sensibilisiert wurden, welche Dinge bei den Schülern negative Reaktionen hervorrufen könnten, konnten wir manche Fehler von Anfang an vermeiden. Bei den Treffen mit dem ZAS bezogen wir Bettina stets in unsere Arbeit mit ein, damit sie ihre Vorschläge mit einbringen konnte und somit garantiert wurde, dass die Ergebnisse für das ZAS nützlich sein würden.

 


3.2 Schwierigkeiten und deren zukünftige Vermeidung


Dass mit „Pixton“ eine sehr detaillierte Gestaltung möglich war, machte die Erstellung der Comics aber auch komplizierter: Bei kleinen Änderungen zu Positionen im Raum verschob sich bspw. auch der Hintergrund. Bei den Augen der Figuren konnte sogar die Ausrichtung der Pupillen festgelegt werden, sodass es oft merkwürdig aussah, wenn die Ausrichtung nicht optimal war. Insgesamt trugen die vielen Möglichkeiten zu einem tollen Endergebnis bei; man musste jedoch für die Gestaltung viel Zeit einplanen. Ein weiterer Zeitaufwand entstand durch die Problematik, dass weder Worte wie Kondom oder Sex noch nackte Personen dargestellt werden konnten. Aus diesem Grund musste aufwändig mit Photoshop nachgearbeitet werden. Bei der Arbeit mit „Pixton“ muss man sich folglich frühzeitig über dessen Grenzen und Besonderheiten im Klaren sein, sodass die Zeitplanung nicht durcheinander gerät.


Um die uneindeutigen Nutzungsrechte der Comics zu klären, verfassten wir eine E-Mail an „Pixton“ in Kanada. Da der Text jedoch auf deutsch geschrieben war, bekamen wir eine wenig aussagekräftige Antwort und beurteilten selbstständig zusammen mit Bettina, wie die Nutzungsrechte ausgelegt werden können. Dennoch hätten wir auch das Einverständnis der Dozenten einholen müssen. Philip fand unseren Entschluss im Nachhinein problematisch, sodass ein neues Konto mit anderen Nutzungsrechten erstellt werden mussten, um eine rechtmäßige Nutzung zweifellos zu garantieren. Da das Importieren der bisherigen Arbeiten in das neue Konto nicht möglich war, mussten die Comics im Anschluss aufwändig mit Screenshots zusammengefügt werden. Diese Umstände hätten durch eine bessere Absprache mit den Dozenten vermieden werden können.



3.3 Beurteilung des Projekts


Insgesamt wurde unser Projektziel erreicht: Es konnten viele verschiedene Comics realisiert werden, die das ZAS zukünftig im Rahmen der Präventionsarbeit unterstützen. Bettina Schmitt beschreibt die fertigen Comics wie folgt:

„Sie sprechen inhaltlich unsere zentralen Themen Verhütung, Schutzmöglichkeiten und sexuell übertragbare Infektionen an und sollen Jugendliche und junge Erwachsene insbesondere dafür sensibiliseren, wie wichtig es ist, mit dem Partner/der Partnerin über eben diese Themen zu sprechen. In den Comics wird dazu auf Missverständnisse, Hindernisse, Ängste, aber auch Lösungen und Möglichkeiten in der Kommunikation eingegangen, die anschließend im Gespräch mit den Jugendlichen/jungen Erwachsenen thematisiert werden können. Die Comics verstehen wir dabei als thematische Türöffner, die es darüber hinaus schaffen, den emotionalen Anteil anzusprechen.“


Der Pretst zeigte uns, dass sich die Jugendlichen durch das Format des Comics tatsächlich angesprochen fühlten und wenig Verständnisschwierigkeiten hatten. Durch die verschiedenen Varianten in der Aufbereitung war für jedes Geschlecht eine Situation dabei, in der sie sich wiederfinden. Dadurch fiel es leichter, über das Thema zu sprechen. Deutlich wurde auch, dass die Comics Raum für unterschiedliche Sichtweisen und Meinungen lassen, die in einer Diskussion in der Klasse aufgegriffen werden können.


Sowohl wir als Gruppe als auch der Projektpartner sind mit der Zusammenarbeit und dem Endprodukt sehr zufrieden. „Sieht man das Ergebnis, bleibt einem nichts anderes übrig, als begeistert zu sein. Sowohl die thematische Auswahl als auch die kreative, detailreiche, realistische und jugendnahe Umsetzung begeistern uns sehr und wir freuen und darauf, die Comics bei den kommenden Veranstaltungen einzusetzen. Es ist auch für uns als Präventionsfachkräfte immer wieder schön, neue Methoden und Materialien auszuprobieren“, so Bettina Schmidt.


Für uns war das Projekt eine bereichernde Erfahrung, bei der wir einen interessanten Einblick in die Präventionsarbeit erhalten und viel über die Vermittlung von Botschaften in Comics gelernt haben.



3.4 Ideen für weitere Projekte


Wir konzentrierten uns auf Comics zum Thema Prävention, die den Gesprächseinstieg mit Schulklassen erleichtern sollen. Es wären jedoch auch Comics denkbar, welche die Vermittlung von Wissen zum Ziel haben, anstatt hauptsächlich Denkanstöße zu liefern. So könnten Informationen zum Thema HIV auf unterhaltsame Weise vermittelt werden.

Zudem wurden in unseren Comics lediglich Themen behandelt, die jeden in Bezug auf Sex betreffen. Dagegen wären auch Comics für Personen vorstellbar, die bereits eine HIV-Infektion befürchten oder diese bestätigt bekamen. Wissensvermittlung zum Ablauf eines HIV-Tests wäre genauso denkbar wie die Darstellung von Tabuthemen wie Krankheit, Tod oder Drogenkonsum. Generell sind natürlich Comics zu jedem beliebigen Thema möglich. Die ungewöhnliche Verarbeitung von Inhalten sorgt in jedem Fall für Abwechslung.

 

 


 

Anhang

Die gesamte Comic-Sammlung mit den 17 Grafiken ist als Zip-Archiv unter folgendem Link abrufbar:

Fertige Comics