Medienprojekt zu Entwicklungsarbeit in Togo (Yayra e.V)

 

Lernen bei Yayra e.V.

Projektteam (WS 2012/13): Evelyn M., Fachrichtung “Erziehungswissenschaft” und Verena R., Fachrichtung “Medien und Kommunikation”.

1. Projektidee

Es gibt unzählige Non-Profit Vereine, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Spenden für einen guten Zweck zu sammeln. In diesen Vereinen sind finanzielle Mittel knapp und die Mitarbeit beruht meist auf ehrenamtlichen Engagement. Das Problem, das sich daraus ergibt: für die Mitglieder bleibt neben dem Sammeln von Spenden, den Verwaltungsaufgaben des Vereins und der Organisation regelmäßiger Treffen oft nicht genügend Zeit, um gute und effektive Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben; oder es fehlt das spezielle Know-How beziehungsweise technisches Fachwissen, um zum Beispiel eine Vereinshomepage anzulegen oder zu gestalten.

Die Projektgruppe verfolgt das Ziel, Hilfestellung im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit zu leisten und ihr Know-How ehrenamtlich dort einzusetzen, wo die Non-Profit Organisation über keine oder nur geringe Kapazitäten verfügt. Den Rahmen dafür bietet das Seminar “Service Learning - Lernen durch Engagement” an der Universtität Augsburg.

Unter Service Learning wird hier Lernen durch soziales Engagement verstanden. Fachliches Lernen aus dem Klassenraum wird mit sozialem Dienst in der Praxis verknüpft. Die Erfahrungen, welche die Studentinnen und Studenten dabei sammeln, werden in Seminarsitzungen projektbegleitend reflektiert. Es besteht also die Möglichkeit, durch das Leisten des “Service” den Projektpartner zu unterstützen und durch Erfahrungen zu lernen.

2. Projektpartner

Der Verein “Yayra” ist ein kleiner Verein, dessen Ziel es ist, die Bildung in Zafi, Togo, zu fördern und die dortigen Lehr- und Lernverhältnisse zu verbessern. Deshalb möchte der Verein durch das Einnehmen von Spenden das marode Schulgebäude in Zafi durch ein neues ersetzen. Die ersten Einnahmen sind unter anderem durch die Veranstaltung eines Benefizkonzertes und eines Benefiztheaters gelungen. Mittlerweile hat der Verein ausreichend Spenden gesammelt, um mit einem Teil des Baus zu beginnen. Nach dem Ausbau möchte sich der Verein um die Finanzierung von Unterrichts- und Schulmaterialien für die Schülerinnen und Schüler kümmern.

Gründer und treibende Kraft im Verein ist Vincent Semenou. Er stammt aus dem Dorf Zafi. Seine Eltern und sein Bruder leben noch heute dort. Letzterer kümmert sich vor Ort um Aufgaben, die er vom Verein aufgetragen bekommt. Der Verein hat seinen Sitz in Augsburg im Haus Edith Stein, einem Kolping Wohnheim mit gleichzeitigem Sitz der Katholischen Hochschulgemeinde. Dort wohnen auch die meisten Vereinsmitglieder. Die Mitgliederversammlung findet einmal im Monat statt.

In den Gesprächen mit Vincent Semenou erfuhr das Projektteam mehr über die Bildungssituation in Togo. Die Schüler und Schülerinnen haben kaum Schulmaterialien wie Stifte und Hefte. Auch die übliche Schuluniform, welche die Schüler und Schülerinnen tragen, können sich die wenigsten Familien leisten. Dies führt dazu, dass viele die Schule meist innerhalb der ersten Jahre abbrechen. In Zafi kommt dazu, dass das eigentliche Schulgebäude einsturzgefährdet ist, keine sanitären Anlagen vorhanden sind und auch die Anzahl der Schüler und Schülerinnen die Kapazitäten übersteigt. Genau an diesen Punkten möchte das Projekt angreifen und somit zu einer verbesserten Bildungssituation im Dorf Zafi beitragen.

Der Yayra e. V. ist ein junger Verein, der sich im Aufbau befindet. Gerade weil der Verein so jung ist, sind Impulse und Hilfestellung von außen gewinnbringend, vor allem wenn diese durch ehrenamtliches Engagement bewegt sind. Durch die Mithilfe des Projektteams hatten die Vereinsmitglieder die Möglichkeit, sich mehr auf die wesentliche Vereinsarbeit zu konzentrieren und sich um mögliche Förderanträge und Untersützung von außen zu kümmern.

3. Projektbeschreibung

Bei den Gesprächen für den Einsatz der Projektgruppe sah der Yayra e. V. Unterstützungsbedarf vor allem im Bereich PR und Öffentlichkeitsarbeit. Priorität in der Behebung von Mängeln sahen die Mitglieder des Vereins besonders in den folgenden Punkten:

  • inhaltliche Mängel auf der Vereins-Homepage
  • veraltete Werbeflyer
  • keine adäquate Selbstdarstellung und fehlende Seriosität auf der Homepage (z.B. kein gültiges Impressum)

Der Verein möchte sich vermehrt bei Stiftungen bewerben, die Fördermittel für Ziele, wie sie der Yayra e. V. verfolgt, zur Verfügung stellen. Stiftungsbewerbungen erfordern eine seriöse und professionelle Präsentation nach außen, die auf der eigenen Homepage gewährleistet sein sollte.

Als erste Aufgabe wurde an das Projektteam formuliert, die Homepage neu zu gestalten. Sie soll formal und inhaltlich überarbeitet werden.

Eine weitere Aufgabe des Vereins für das Projektteam war die Einbindung eines Kurzbeitrages in Form eines Podcasts, um die Homepage crossmedial nutzen zu können. Die Stimmen im Podcast sollen zur Authenzität und Seriosität des Vereins beitragen. Ein weiterer Vorteil des Podcasts ist, dass sich der Besucher schnell und zielgerichtet über den Verein informieren kann.

Als dritte Aufgabe für das Projektteam hatte der Verein um die Überarbeitung des Flyers gebeten. Die Informationen auf den vorhandenen Exemplaren sind veraltet und bedürfen einer neuen Anordnung und Formulierug.

4. Projektdurchführung

Das Projektteam arbeitete selbstständig, stand jedoch mit dem Projektpartner in ständigem Email-Kontakt. Die Zwischenergebnisse wurden mit dem Vereinspräsidenten Sebastian Walser, der Vize-Präsidentin Isabel Jakob und der Projektleitung, Vincent Semenou in persönlichen Gesprächen diskutiert. Die finalen Ergebnisse wurden dem gesamten Verein in der Vereinssitzung im Februar präsentiert. Es folgen Beschreibungen der Arbeitsfelder im Einzelnen:

4.1 Die Homepage

Die eingestellten Texte, die das Projektteam auf der Homepage vorfand, waren von Herrn Semenou, der ursprünglich aus Togo stammt, verfasst worden. Deshalb gab es viele grammatikalische Unebenheiten und selbst gut formulierte Passagen waren schwer zu lesen. Ebenso gab es viele inhaltliche Überschneidungen, welche die Seite sehr unübersichtlich erscheinen ließen. Das Projektteam gab der Homepage eine neue komplett neue Sitemap, überarbeitete die Texte und stellte diese ein.

Alter Text 

Ideenvorschläge für die inhaltliche Homepagegestaltung wurden in Treffen des Projektteams ausdiskutiert, um eine einheitliche und übersichtliche Gestaltung zu gewährleisten. Auf das erhaltene Feedback der Vereinsmitglieder wurde die Seite weiter zu deren Wünschen gestaltet.

4.2 Der „Flyer“

Der ursprüngliche Flyer war ein sechs-seitiges Faltblatt im Wickelfalz. Bei dessen Gestaltung hatte der Verein Unterstützung von einem professionellen Grafiker, weshalb auch hier am Layout kaum etwas geändert werden musste.

Alter Flyer 

Inhaltliche Mängel waren vor allem die veralteten und nicht einheitlichen Angaben der Adressen. Gestalterisch fiel auf, dass sich auf Seite vier und fünf des alten Faltblattes nur informationsleere Bilder befanden, die eigentlich nicht benötigt wurden. Deswegen machte es sich das Projektteam zur Aufgabe, dem Verein Möglichkeiten zu zeigen, wie das Faltblatt besser und übersichtlicher gestaltet werden kann.

Unter dem Logo steht das Motto “Steh auf und richte auf”. Dieses Motto fand das Projektteam sehr ansprechend und soll deswegen auf dem neuen Flyer in Verbindung mit dem Schulbau gebracht werden. Nicht mehr benötigte Infos, wie zum Beispiel die ursprüngliche aber nicht mehr zutreffende Idee, dass sich der Verein als Aidswaisenprojekt versteht, soll auf dem neuen Flyer nicht mehr erscheinen.

Der Verein möchte sich so gut wie möglich nach außen präsentieren, möchte dabei aber nur die nötigsten Mittel investieren. Der erste und naheliegendste Vorschlag des Projektteams war deshalb, die rein bebilderten Seiten zu entfernen und ein vierseitiges Faltblatt zu entwerfen, um Druckkosten zu sparen.

Für die Platzierung von Informationen auf den verfügbaren Seiten ordnete das Projektteam die Informationen nach Wichtigkeit.

Die Rohfassung wurde dem Verein bei der Mitgliederversammlung im Februar vorgelegt. Diese enthält Texte, die der Verein aber nicht zwingend übernehmen muss. Vor allem geht es um eine sinnvolle Platzierung von Informationen.

Flyer Neu 

Diese Fassung soll dem Verein als Hilfestellung für den Entwurf eines neuen Faltblattes nach ihren Wünschen und Vorstellungen dienen.

4.3 Der Podcast

Die Podcastproduktion war ein weiterer wichtiger Bestandteil des Projektes. Hierzu wurden Interviews mit allen wichtigen Personen des Vereins, darunter Projektleiter Vincent Semenou, Sebastian Walser, Präsident des Vereins und Vizepräsidentin Isabel Jakob geführt.

Verena im Interview 

Verena R. und Vereinspräsident Sebastian W. beim Interview.

Vincent Semenou war eine der wichtigsten Stimmen für den Podcast, da er der Initiator des Projektes ist und durch seine togoischen Wurzeln und seinem Akzent im Podcast sehr authentisch wirkt. Vincent Semenou ist auch Experte auf dem Gebiet des afrikanischen Bildungssystems. Er hat darüber seine Doktorarbeit an der Universität Augsburg verfasst.

Außerdem wurde die Stimme von Irenee Atjavo eingefangen. Irenee ist in Togo aufgewachsen und dort sechs Jahre lang zur Schule gegangen. Im Moment studiert er Materialwissenschaften an der Universität Augsburg. Aufgrund seiner persönlichen Erfahrungen weiß er um die Missstände im Schul- und Bildungssystem Afrikas.

Nach der Produktion wurde der Podcast an passender Stelle auf die Webpage eingebunden.

Hier ist der Podcast noch einmal zum Nachhören. 

 

5. Bewertung des Projektes

Im Folgenden soll das Projekt bewertet werden und sowohl positive, also auch negative Aspekte und Schwierigkeiten herausgearbeitet werden.

5.1 Positive Aspekte

  • Alle Vereinsmitglieder sind dem Projektteam gegenüber sehr nett und sehr aufgeschlossen entgegengetreten. Das Team wurde sehr gut aufgenommen und konnte sich bereits in der ersten Sitzung mit seinen Meinungen und Vorstellungen einbringen. Dies wurde als sehr positiv empfunden. Es war spürbar, dass sich die Mitglieder des Vereins über die unerwartete Hilfe freuten.
  • Das Projektteam hatte große Freiheiten in seiner Arbeitsweise. Nach der Aufgabenklärung gab es keinerlei weitere Vorgaben, was ebenfalls als sehr positiv empfunden wurde.
  • Feedback und Anregungen zur Homepage erhielt das Projektteam sehr schnell, besonders von der zuständigen Homepage-Beauftragten des Vereins.
  • Die Vereinsmitglieder sprachen für die Arbeit ihre Dankbarkeit aus.
  • Das Projektteam empfand die Arbeit als lohnend, da sie das Gefühl hatten, den Verein für ihre Arbeit zu motivieren und neue Impulse zu geben.
    • Der Verein hat nun genauere Vorstellungen zur Gestaltung und Pflege einer Homepage und achtet nun auf wesentliche Punkte wie z. B. ein vorschriftsmäßiges Impressum.
    • Der Verein hat nun Vorstellungen, wie er seinen neuen Flyer gestalten kann.
    • Der Verein hat durch den Podcast eine bessere Vorstellung davon bekommen, wie eine Homepage crossmedial genutzt werden kann und Informationen somit einfacher vermittelt werden können.
    • Der Verein ist sich seiner Außenwirkung bewusster und besser aufgestellt, sich für Fördergelder zu bewerben.

5.2 Schwierigkeiten und Kritik

  • Der Verein besteht größtenteils aus Studenten, was das Projektteam eher als Nachteil empfand:
    • Weihnachten und Neujahr lagen im Semester, wodurch sich die Studenten beider Seiten nicht zeitgleich in Augsburg aufhielten.
    • Während der Prüfungsphase blieb kaum Zeit für Diskussionen, welche die Projektarbeit betrafen.
    • Das spürbare “in den Hintergrund treten” der Vereinsarbeit für die studentischen Mitglieder des Vereins hat sich negativ auf die Motivation der ehrenamtlichen Arbeit des Projektteams ausgewirkt.
  • Der Verein trifft sich nur einmal im Monat. Bei den Sitzungen sind nie alle Mitglieder anzuteffen, was es dem Projektteam erschwert hat, ein gesammeltes Stimmungsbild zur geleisteten Arbeit einzuholen.

5.3 Lernerfolge & Tipps für das nächste Projektteam

Aus den oben genannten positiven und negativen Aspekten hat das Projektteam Erfahrung, vor allem im Bereich Projektmanagement gesammelt. Daraus ergeben sich folgende Lernerfolge:

  • immer regelmäßigen Kontakt mit dem Projektpartner halten
  • Aufstellung eines genauen Projektverlaufplanes; Meilensteine als Zwischenziele einplanen
  • Termine für regelmäßige Treffen mit dem Projektpartner vereinbaren
  • regelmäßige Absprachen innerhalb des Projektteams
  • den Projektpartner als “Arbeitgeber” sehen
  • Probleme mit dem Projektpartner sofort ansprechen

Diese Lernerfolge geben wir dem nächsten Projektteam als Tipps mit auf den Weg.

6. Reflexion über zukünfige Zusammenarbeit mit Yayra

In der Vereinssitzung im Februar hat sich abgezeichnet, dass es viele neue Ideen für die weitere Gestaltung der Homepage gibt. Diese schließen zum Beispiel den Verkauf der selbstproduzierten Musik-CD des Vereins über die Plattform mit ein. Für solche Angelegenheiten braucht der Verein professionelle Unterstützung, vor allem wegen der rechtlichen Rahmenbedingungen. Diese Unterstützung können Studenten unserer Meinung nach nicht leisten.

Wir halten eine weitere Zusammenarbeit von Yayra e. V. mit der Initiative Bildung durch Verantwortung innerhalb des Seminars Service Learning nur dann für möglich, wenn es konkrete Veranstaltung gibt, die es zu planen und auszuführen gilt. Die Organisierbarkeit der Veranstaltung muss innerhalb des Semesters gewährleistet sein. Beispiele wären die Veranstaltung eines Benefizkonzertes oder die Ausrichtung und Betreuung eines Informationsstandes auf Messen, Märkten oder Informationstagen, um die Aufmerksamkeit auf den Verein zu lenken, sodass dieser in Augsburg Fuß fassen kann.

Allein mit der Betreuung und Pflege des aktuellen Medienbestandes kann man den Soll von 40 weiteren Stunden des Seminars nicht erfüllen. Die Produktion von weiteren Medien wäre denkbar. Deswegen müsste sich der Yayra e.V. über den weiteren Einsatz von Studenten über das Service Learning Seminar Gedanken machen und Vorschläge für eine weitere Zusammenarbeit planen. Hilfreich wäre ein Gespräch zwischen der Initiative Bildung durch Verantwortung und dem Yayra e. V. So kann der Verein Ideen entwickeln, in welcher Weise sie Studenten sinnvoll beschäftigen können und beide Seiten davon profitieren.

Unsere Erfahrung mit dem Verein zeigt, dass dessen Mitglieder für Untersützung dankbar sind und Außenstehene freundlich aufnehmen. Erwartet werden gute Ergebnisse, aber keine Perfektion. Den Mitgliedern ist bewusst, dass auch die Arbeit der von außen kommenden Studenten ehrenamtlich ist und schätzen ihren Einsatz. Insgesamt kann das Projektteam die Arbeit bei Yayra empfehlen, wenn die Studierenden motiviert sind und gerne eigenständig arbeiten.