Filmprojekt im Hort (Medienstelle Augsburg)

Ausgangslage

"Service-Learning - Lernen durch Engagement (LdE) ist eine Lehr- und Lernform, die gesellschaftliches Engagement von Schüler/innen mit fachlichem Lernen verbindet" (Seifert, Zentner, Nagy, 2012, S.13).1

Diese Lernform wird an vielen Universitäten praktiziert. Das heißt, Studenten setzen sich für das Gemeinwohl ein, in dem sie etwas für andere oder die Gesellschaft tun. Der Einsatz wird im Seminar geplant, reflektiert und mit Inhalten der Bildungs- und Lehrpläne verknüpft.

Im Rahmen dieses Seminars hatten die teilnehmenden Studenten die Möglichkeit, zusammen mit einem Kooperationspartner ein Medienprojekt durchzuführen. Oussama Bourouaha und ich, Tamara Weihmayr, Studenten  der Medien und Kommunikation, haben uns für ein Projekt in Zusammenarbeit mit der Medienstelle Augsburg entschieden und somit für ein Filmprojekt im Hermann Köhl Horthaus.

 

Projektbeschreibung und Projektziele

Das Filmprojekt richtete sich an die Kinder des Horts in der Hermann-Köhl-Straße 2. Dabei sollten die Kinder erfahren, wie ein Film entsteht von der Planung bis zur Präsentation. Durch aktive Videoarbeit sollten folgende Lernziele terstützt werden:

. Aneignung von Handlungskompetenz: Wie kann ich mich selbst über Medien ausdrücken
. Schulung der Kritikfähigkeit: Erkennung von Gestaltungs- und Manipulationstechniken der Medien
. Förderung sozialer Kompetenzen: Gemeinsame Erarbeitung eines medialen Produkts in einer Gruppe

Hintergründe

Mitarbeiterinne der Hort-Einrichtung fiel auf, dass ein Teil der 7- und 8-jährigen Kinder Probleme hatten, Realität und filmische Fiktion zu unterscheiden. So erzählten sie von einem Horrorfilm, dessen Darstellungen die Kinder sehr ernst nahmen und in ihnen Ängste auslösten. Die Mitarbeiterinnen versuchten mittels einer Videokamera den Kindern Filmtricks durchschaubar zu machen. Die Erfahrungen, die daraus resultierten waren sehr positiv, jedoch die technischen und gestalterischen Möglichkeiten begrenzt. Deshalb entschlossen sie sich, mit der Unterstützung von der Medienstelle Augsburg, den Kindern ein Filmprojekt anzubieten. In den Pfingstferien sollten die Kinder Einblicke in die Entstehung eines Films gewinnen und gleichzeitig die Gestaltungsmittel des Mediums kritisch einschätzen lernen.

 

Projektdurchführung

Am 14.05.2012 um 14 Uhr fand das erste Projekttreffen statt. Das Treffen verlief bei der Medienstelle Augsburg. Anwesend waren von der Seite der MSA Jo Graue, Birgit Weichenrieder und der Leiter des Seminars Philip Meyer, Oussama Bourouaha und ich, von der Seite der Universität.

Jo erzählte noch mal die Hintergründe zu der Entstehung der Idee zu diesem Projekt, teilte die Blätter mit den Informationen dazu aus und es wurde der geplante Ablauf besprochen. Oussama und ich wurden gefragt, wie wir uns in das Projekt einbringen möchten, welche Aufgaben wir übernehmen könnten. Ich bat an den Kindern, die das Interesse haben werden hinter der Kamera zu arbeiten, die Technik, also die Kamera zu zeigen und zu erklären wie
was funktioniert. Oussama äußerte den Wunsch die Kinder zu betreuen.

Als nächstes war das Treffen im Hort mit den Kindern und Hortmitarbeitern geplant. Am 161. Tag a.jpg.05. um 15 Uhr sollten wir die Kinder kennenlernen und uns ein Bild darüber machen, für welche Themen sich die Kinder interessieren und wie sie sich den Ablauf in der Woche von 29.05 bis 01.06 vorstellen.

Am 16.05. um 15 Uhr trafen wir uns im Hort an der Hermann-Köhl-Straße. Anwesend waren Jo, Birgit, Oussama und ich. Zusammen mit zwei Betreuerinnen und fünfzehn, an dem Projekt beteiligten, Kindern, setzten wir uns in einem Raum, in dem Jo und Birgit schon eine Kamera, einen Beamer und einen Notebook eingerichtet hatten. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde unter der Anleitung von Jo nannten die Kinder die Themen, die sie interessierten und äußerten die ersten Ideen dazu, worüber sie gerne einen Film machen wollen würden. Birgit hielt in dem Notebook, in einem Word-Dokument, alle genannten Ideen fest. Das Dokument wurde mit Hilfe des Beamers für alle sichtbar an die Wand projiziert. Nach dem alle Ideen aufgeschrieben worden waren, gingen alle zusammen noch mal die Liste durch und die Kinder stimmten für jede Idee ab. Die, die wenigsten Stimmen erhielten, wurden in der Liste durchgestrichen, sodass zum Schluss fünf mögliche Themen übrig blieben. Danach wurden die Kinder gefragt, wer von ihnen vor und wer hinter der Kamera stehen möchte. Zwei Mädchen zeigten sich für die Aufnahmetechnik interessiert und äußerten den Wunsch hinter der Kamera zu stehen. Zum Schluss zeigte Jo den Kindern ein paar Effekte, im dem er sie in der Aufnahme „verschwinden“ lies. Alle waren begeistert. Wir verblieben dabei uns am 29.05. um 9 Uhr in dem Hort zu treffen und die Dreharbeiten zu beginnen.

Am 29.05. begannen die Dreharbeiten. Wir trafen uns um 9 Uhr im Hort. Oussama, ich und die Mitarbeiter der Medienstelle Augsburg (MSA) stellten die Technik für die kurze, einführende Präsentation auf. Währenddessen füllte sich der Raum mit den 15, an dem Film beteiligten Kindern und zwei Betreuerinnen.

Der Leiter der MSA, Jo Graue, stellte kurz den Ablauf des ersten Drehtages vor. Es wurden die Szenen und ihre Reihenfolge besprochen. Danach ging es zum Drehen der ersten Szene hinaus.

Birgit, die Mitarbeiterin der MSA, war für die Kamera verantwortlich. Allerdings hatte sie Unterstützung: zwei der Hortkinder. Zwei Mädchen äußerten am Anfang an den Wunsch nicht vor, sondern hinter der Kamera zu stehen. Sie wechselten sich immer wieder ab und übernahmen abwechselnd die Verantwortung für den Ton und für das Bild. Meine Aufgabe war zusammen mit Birgit auf das richtige Bild und saubere Tonaufnahme zu achten und die Kinder zu unterstützen.1. Tag.jpg

Um 14:30 Uhr waren die Szenen, die für den ersten Drehtag bestimmt waren, abgedreht und wir gingen alle zusammen zurück in das Besprechungszimmer im Hort. Jo fasste zusammen, was an dem Tag gemacht wurde und wo wir zurzeit stehen, stellte kurz die Aufgaben, die am nächsten Tag zu erledigen waren vor und um 15 Uhr ging der erste Drehtag zu Ende.

Am nächsten Tag, den 30. Mai um 9 Uhr ging das Drehe weiter. Wir drehten drei bis vier Szenen und arbeiteten bis um 15 Uhr täglich. Am Freitag, den 1. Juni, haben wir dann die letzten, noch ausstehenden Szenen gedreht und somit hatten wir das ganze Drehbuch durch. Das abgedrehte Material könnte nun bearbeitet werden.

Dafür trafen wir uns am Mittwoch, den 06.06. in der Medienstelle Augsburg. Die Mitarbeiter der Medienstelle hatten bereits ein Großteil des Filmmaterials geschnitten. Jo Graue zeigte Oussama und mir, wie die Schnittmaschine „Casablanca“ funktioniert und wir übernahmen das Schnitt von noch unbearbeiteten Materials. Anschließend wurden die Szenen zusammengestellt, Musik hinzugefügt und somit war der Film4.Tag_.jpg fertig.

 

Die Präsentation

Am Sonntag, den 22. Juli um 11.30 Uhr wurde das Ergebnis im Augsburger Cinemaxx präsentiert. Die Filmpremiere war öffentlich bei freiem Eintritt. Alle an dem Film beteiligten Kinder brachten ihre Familien und Freunde mit, um ihnen ihre Arbeit zu zeigen, der größte Kinosaal, Kino 1, war voll. Nach der Präsentation fand eine Diskussion statt, moderiert von dem Leiter der Medienstelle Jo Graue. Dabei erzählten die Kinder und die Mitarbeiterinnen des Horts über die Erfahrungen, die sie bei den Dreharbeiten gemacht hatten. Ihr Feedback viel sehr positiv aus.

 

 

 

Fazit

Das Seminar „Service-Learning im Medienbereich“ bat mir die Möglichkeit, ein Medienprojekt in Kooperation mit der Medienstelle Augsburg, durzuführen. Obwohl das Projekt von der Medienstelle bereits geplant war und ich wenig Einfluss auf die Planung hatte, könnte ich die theoretischen Inhalte, die im Rahmen des Seminars gelehrt wurden, bei der praktischen Umsetzung anwenden und verankern. Somit lernte ich alle Schritte der Projektplanung und anschließend Projektdurchführung, kennen. Außerdem bekam ich eine Einsicht in die Kamera- und Filmtechnik, lernte interessante Menschen kennen und hatte bei dem Projekt, so wie im Seminar, jede Menge Spaß.

 

Der Film „Die alte Gruselvilla“

 

 

 

 

 

 

  1. 1. Seifert, A./Zentner, S./Nagy, F.: Praxisbuch Service-Learning. "Lernen durch Engagement" an Schulen. Beltz Verlag, Weinheim und Basel; 1. Auflage, 2012