6.6 Qualitätsstandards

Um Problemen vorzubeugen, wurden in den USA vom „National Youth Leadership Council“ (2008) acht Qualitätskriterien veröffentlicht, die während des Service Learnings beachtet werden sollten.  

1. „Sinnvolles“ Engagement & „echter gesellschaftlicher Bedarf“

 

Durch „Service“ wird für ein bestehendes Problem in der Gemeinschaft bzw. einen gesellschaftlich guten Zweck ein sinnvolles und nachhaltiges Engagement geleistet, welches sowohl für die Praxis als auch für die Lernenden von Nutzen ist. 

  • Das Engagement der Lernenden reagiert auf einen echten Bedarf bzw. ein reales Problem in ihrer Stadt oder Gemeinde.
  • Das Engagement ist sowohl für die Lernenden als auch für die Praxis sinnvoll.
  • „Sinnvoll“ meint, dass sowohl die Lernenden als auch die Praxis von dem Engagement profitieren.
  • Inhaltlich sollte das Engagement für die Lernenden persönlich relevant sein.
  • Service Learning sollte für die Lernenden interessante, herausfordernde und verantwortungsvolle Aufgaben bereitstellen, die sie in vielfältiger Weise fördern und fordern (kognitiv, fachlich-methodisch wie auch sozial und persönlich).
  • Das Engagement sollte allen betroffenen Partnern in der Praxis einen Nutzen stiften. Dafür müssen auch negative Effekte des Engagements, wie z. B. Verdrängung ehrenamtlicher Tätigkeit analysiert und bei der Planung berücksichtigt werden.  
  • Sowohl die Lernenden als auch die Service-Empfänger sollten in Auswahl und Planung ihres Engagements einbezogen werden.
2. Unterrichtliche Einbindung

 

Service Learning wird didaktisch gezielt genutzt, um curriculare Lernziele umzusetzen.

  • Service Learning setzt eine curriculare Verankerung voraus und ist Das Engagement der Lernenden soll bewusst und explizit mit Unterrichtsinhalten verknüpft werden (inhaltliche curriculare Anbindung).
  • Lernziele müssen gesetzt und deren Umsetzung didaktisch geplant werden.
  • Service Learning ist handlungsorientiert: Wissen, das im Unterricht vermittelt wurde, soll in der Praxis zur vielfältigen Anwendung kommen. Dadurch wird auch die Reflexion über die Entstehung und Anwendung von Wissen, angeregt.

 

3. Reflexion

 

Service Learning bietet vielfältige und herausfordernde Reflexionsanlässe, die didaktisch genutzt werden, um andauernde Reflexionsprozesse zu initiieren. Diese betreffen die gemachten Erfahrungen, das angewandte Wissen, soziale Umstände sowie die eigene Person und ihre Stellung in der Gesellschaft.

  • Es findet findet in allen Phasen des Service Learning Prozesses eine regelmäßige und didaktisch unterstützte Reflexion verschiedener Erfahrungen der Lernenden statt.
  • Das Reflektieren wird durch eine Vielzahl an verschiedenen Möglichkeiten des schriftlichen und gestalterischen Ausdrucks gefördert (schriftliche Reflexionen, Tagebuch, Videos erstellen etc.)
  • Beim Reflektieren denken die Lernenden über komplexe gesellschaftliche Probleme nach und entwickeln Lösungen zur Transformation der bestehenden Praxis.
  • Die Reflexionen sind so gestaltet, dass Lernende ihre Präkonzepte und Annahmen untersuchen, um ihre Verantwortung als Zivilbürger zu erkennen.
  • Reflexion beinhaltet auch, induktiv das Spezifische der konkret gemachten Erfahrung herauszuarbeiten und in einen weiteren globalen Kontext einzuordnen.        

 

4. Diversität

Service Learning fördert echte Toleranz und ein Verständnis für Diversität durch gleichberechtigte Partnerschaften unter den beteiligten Akteuren.

  • Das praktische Engagement der Lernenden findet außerhalb des eigenen Klassenraumes, unter Begegnungen mit verschiedenen am Service beteiligten Akteuren statt.
  • Dabei kommen Lernende auch mit Menschen in Kontakt, mit denen sie sonst möglicherweise nicht in Berührung kommen würden bzw. meiden würden.
  • Durch die vielfältigen und respektvollen Begegnungen lernen die Lernenden Sachverhalte mit verschiedenen Perspektiven zu betrachten (Multiperspektivität).
  • Die sozialen Kompetenzen der Lernenden werden im Umgang mit Konflikten oder beim Treffen von Entscheidungen gefördert.
  • Lernende reflektieren durch Service Learning ihre eigenen Stereotypen und Vorurteile.

 

5. Partzipation

 

 

Service Learning ermöglicht den Lernenden sehr hohe Partizipationsmöglichkeiten bei der Planung, Implementierung und Evaluation des Engagements.

  • Lernende gestalten aktiv das Service Learning Engagement, sei es in der Planung, Umsetzung oder Evaluation.
  • Ein Lernklima des Vertrauens und des kommunikativen Handels wird kultiviert.
  • Service Learning fördert auch jene Fähigkeiten und Fertigkeiten, die die Lernenden dazu benötigen, um ihrer Stimme Ausdruck zu verleihen und ihre Ziele zu verfolgen.  

6. Partnerschaften                                                                                             

Service Learning zeichnet sich durch vielfältige, respektvolle und
kollaborative Partnerschaften aus.

  • Vielfältige Partnerschaften, beispielsweise zwischen Lehrkräften, Klienten, Angehörigen, Hilfsorganisationen usw., werden bei Service Learning geschlossen, um gemeinsam gesellschaftliche Probleme zu lösen oder Anliegen der Gemeinschaft umzusetzen.
  • Die geschlossenen Partnerschaften sind dabei kollaborativ, gegenseitig nutzenstiftend und beziehen sich auf das Wohl der Gemeinschaft.  
  • Ziele und das Vorgehen beim Engagement werden gemeinsam mit allen am Service Learning beteiligten Partnern entwickelt.
  • Die Partner stehen in regelmäßigem Austausch und informieren sich

 

7. Andauernde Evaluation                                                                                                       

Bei Service Learning evaluieren die verschiedenen Teilnehmer in einem andauernden Prozess die Qualität ihrer Handlungen und den Grad der Zielerreichung, wobei sie die Daten dazu nutzen, um stetig Verbesserungen herbeizuführen und die Nachhaltigkeit zu erhöhen.

  • Durch verschiedene Methoden der Handlungsforschung sammeln die Teilnehmer auf vielfältige Weise Daten, um die Erreichung ihrer (Lern)Ziele beurteilen zu können.
  • Des Weiteren wird auch die Qualität des Service Learning auf diese Weise ermittelt und gegebenenfalls verbessert
  • Die Ergebnisse aus der Evaluation werden auch für weitere Interessenten wie Entscheidungsträger usw. zielgruppengerecht aufbereitet zur Verfügung gestellt.  

 

8. Zeitlicher Rahmen des Einsatzes/Intensität                                                                                                           

Service Learning wird in jener zeitlichen Dauer und Intensität durchgeführt, die es benötigt, um ein für alle der beteiligten Akteure nachhaltiges Ergebnis zu ermöglichen.

  • Service Learning verläuft in den Phasen der gemeinsamen Vorbereitung, Planung, Durchführung und der Demonstration bzw. Evaluation, wobei der Prozess durch andauernde Reflexionstätigkeit der Lernenden charakterisiert ist.
  • Die eingesetzte Zeit für Service Learning wird so bemessen, dass die aufgestellten (Lern-)Ziele auch tatsächlich erreicht werden können und ein nachhaltiger Dienst an der Gesellschaft möglich wird.  
  • Das Engagement in der Praxis (Durchführung) sollte mindestens 20 h je Schüler dauern, um eine reichhaltige Erfahrung zu ermöglichen und um tatsächlich einen sinnvollen Dienst leisten zu können.