6.3 Service Learning als unvorbereitetes Engagement

Service Learning wird manchmal mit reinem sozialem Engagement verwechselt. Ein wichtiger Bestandteil sind allerdings auch formale und curricular verankerte Lernziele und Inhalte. Eine zu einseitige Lagerung des „Service“ auf Kosten des „Learnings“ widerspricht der Grundidee des Lernens durch soziales Engagement. Dieses sollte also in direkter Verbindung mit der Anwendung von Wissen aus dem Unterricht stehen und einen Wissenstransfer ermöglichen. Mehr noch: Lernen durch Engagement setzt diesen Transfer oftmals auch für das Gelingen des Services voraus: Wenn die Studierenden nicht für die Anforderungen beim Einsatz qualifiziert sind, wenn dieser ohne Vorbereitung und Lernbegleitung durchgeführt wird – dann kann er auch kontraproduktiv wirken. Beispielsweise sollte bei einem Bewerbertraining für lernbehinderte Personen vorher theoretisch erarbeitet werden, wie eine gute Bewerbung auszusehen hat und wie sie gestaltet wird. Für den richtigen Umgang mit der Zielgruppe müssen gewisse soziale Kompetenzen vorhanden sein oder vermittelt werden. Anderen zu helfen ist eine anspruchsvolle Tätigkeit. Viele Lernende haben nur sehr wenig Erfahrung in der Arbeit mit Menschen aus anderen Lebensbereichen und Schichten.

Das Kriterium der unterrichtlichen Einbindung limitiert das Spektrum des Lernens durch Engagements. Den Spagat zwischen den Zielen und Inhalten eines Kurses bzw. Faches und der ungleich komplexeren Lebenswelt, die sich nicht an ein Curriculum hält, ist eine der Herausforderungen, die es zu meistern gilt.