4.4 Projektdurchführung 2.0

Partizipation und Service Learning 2.0

Autorin: Prof. Dr. Kerstin Mayrberger

Service Learning hängt relativ eng mit Partizipation zusammen und kann auch mit Unterstützung von digitalen Medien und hier besonders durch Angebote des Web 2.0 wie Wikis, Weblogs oder Soziale Netzwerke realisiert werden. Ziel bei der Durchführung von Service Learning Projekten ist es, wie bereits in früheren Kapiteln erwähnt, mit Lernen durch Engagement die Zivilgesellschaft und damit die Demokratie zu stärken, indem die Lernenden erfahren, welche Mitwirkungsmöglichkeiten sie besitzen und wie sie diese aktiv einbringen können. Damit hat Service Learning auch etwas mit demokratischer Partizipation zu tun.

Demokratische Partizipation wird als ein relevantes, übergreifendes Ziel von Bildung und zugleich als eine zentrale Aufgabe von Qualitätsentwicklung in Bildungseinrichtungen gesehen. Schon die Förderung von demokratischen (Wert-)Prinzipien in der Schule soll allgemein zur Bildung eines Gemeinsinns beitragen und dazu motivieren, sich schon früh daran zu beteiligen, die gegenwärtige und zukünftige Gesellschaft mitzugestalten und Verantwortung für sie zu übernehmen. Doch was meint Partizipation? 

Unter Partizipation oder Beteiligung wird allgemein eine Form von Teilnahme an Entscheidungen und Entscheidungsprozessen seltener die Teilhabe an den Resultaten verstanden. Sie ist im eigentlichen Sinne zugleich Recht und (gewissermaßen auch) Pflicht der Bürger/innen sich an politischen Prozessen der Willensbildung und Entscheidungsfindung zu beteiligen (vgl. Schnurr, 2005). Die Akteure im Partizipationsprozess können sowohl Individuen als auch Gruppen sein, wie z.B. Politiker und Bürger, Lehrende und Lernende oder Eltern und Kind/er. Partizipation betrifft allgemein das Verhältnis von Akteuren zueinander und die Machtverteilung zwischen ihnen. Die Verteilung von Entscheidungsmacht zeigt sich nach Urban (2005) erst dann, wenn Uneinigkeit besteht, Aushandlungsprozesse gestaltet und Entscheidungen getroffen werden müssen. Der tatsächliche Partizipationsraum der jeweiligen Akteure zeigt sich also dann vor allem im Umgang mit den auftretenden Diskrepanzen. Insgesamt lässt sich sagen, dass Partizipation von der Bereitschaft der einen Seite lebt, Verantwortung für Entscheidungen bzw. Entscheidungsmacht abzugeben und durch die Bereitschaft und Kompetenz der anderen Seite, Verantwortung für Entscheidungen zu übernehmen.

Im Rahmen von Service Learning geht es nun auch darum, Entscheidungen im Rahmen der Praxisprojekte zu tätigen und Verantwortung für deren Gelingen zu übernehmen. Dieses passiert z.B. indem die Lehrenden den sozialen Dienst an der Praxis oder die Projektarbeit in die Hände der Lernenden legen und damit auch zu einem bestimmten Grad Verantwortung abgeben bzw. Entscheidungsmacht weiterreichen. Dieser Grad der (temporären) Abgabe kann wiederum variieren. Solche unterschiedlichen Grade der Machtverteilung zwischen Akteuren werden häufig in Stufenmodellen abgebildet. Als eine zentrale Arbeit zur inhaltlichen Bestimmung von Partizipation gilt bis heute das Stufenmodell von Arnstein (1969), „A Ladder of Citizen Participation“, das von einer Ungleichverteilung von Macht zwischen Entscheidern und Betroffenen ausgeht. Partizipation setzt Arnstein mit der Teilhabe an Entscheidungsmacht gleich („redistribution of power“, ebd., p. 216) und grenzt sie damit gegen nur scheinbare Beteiligung wie das Informieren über oder Erläutern von erfolgten Entscheidungen ab. Der Grad der Partizipation äußert sich dementsprechend darin, welchen tatsächlichen Einfluss alle Beteiligten Gruppen auf Entscheidungen nehmen können. Arnstein beschreibt insgesamt acht Stufen der Partizipation, wonach die höchste Stufe den höchsten Grad von Partizipation auszeichnet, die sie nochmals in drei Typen von Graden der Partizipation gruppiert (ebd., p. 217 ff.):

Typ Nonparticipation (Nicht-Beteiligung):

  1. Manipulation (Manipulation, Instrumentalisierung),
  2. Therapy (Anweisung, Einflussnahme in Abgrenzung zur Befähigung zur Beteiligung,);

     Typ 
    Degrees of Tokenism (Stufen der Schein- oder Alibi-Beteiligung): 
     
  3. Informing (Information)
  4. Consultation (Anhörung)
  5. Placation (Beschwichtigung, Einbeziehung);
     
     Typ Degrees of citizen power (Stufen von Partizipation; Verortung der Macht bei den Bürgern):
     
  6. Partnership (Beteiligung in Aushandlungssystemen)
  7. Delegated Power (Übertragung von Macht; Besitz ausgewählter Entscheidungskompetenzen),
  8. Citizen Control (Kontrolle durch Bürger; Besitz voller Entscheidungskompetenz).

Ein solches Stufenmodell dient als Basis und Analyseinstrument, um allgemein den Grad der Beteiligung und die damit (nicht) verbundene Übertragung von Entscheidungsmacht in ihrer jeweiligen Praxis kritisch zu betrachten und ein- und abstufen zu können. Gerade im Zuge von Service Learning, bei dem es letztlich um die Partizipation an der gemeinsamen und sozial motivierten Entwicklung der zivilen Gesellschaft geht, ist es hilfreich sich immer wieder zu vergegenwärtigen, wie ernsthaft der Partizipationsgedanke besonders bei der Konzeption von Projekten im Service Learning verfolgt wird. Aus diesem Grund hat Mayrberger (2012) das vorliegende Modell von Arnstein unter Einbezug von Stufenmodellen, die sich auf die Mitbestimmung von Kindern und Jugendlichen in der schulischen und außerschulischen Arbeit beziehen (u.a. Hart, 1992; Schröder, 1995), auf den Kontext Schule als Beispiel für formale Lernumgebungen übertragen, wie es im Folgenden unter dem Punk Service Learning 2.0 ausführlicher dargestellt wird. Die Förderung von Partizipation in formalen Bildungskontexten wird besonders seit Aufkommen von Social Software verstärkt diskutiert, ist aber keine neue Thematik (vgl. u.a. Schulz, 1985). Bis heute ist Partizipation ein zentrales Element eines Offenen Unterrichts in allen seinen Dimensionen der organisatorischen, methodischen, inhaltlichen, sozialen und persönlichen Offenheit (vgl. Peschel, 2002, S. 77). In diesem Zusammenhang ist besonders auf die Methode der Projektarbeit bzw. den Projektunterricht zu verweisen, der mit seinem handlungsorientierten Ansatz von Zusammenarbeit und solidarischem Handeln der Schüler/-innen geprägt ist (Gudjons, 2008). Dennoch bietet das Web 2.0 oder konkreter das Social Web mit seinen Anwendungen hier nochmals Potenziale, projektorientiertes oder partizipatives Lernen, wozu grundsätzlich auch das Service Learning zu zählen ist, zu unterstützten.

 

Social Web

Das ,Web 2.0‘ (O‘Reilly, 2005) wird in der pädagogischen und didaktischen Diskussion mit potenziellen Partizipationschancen in Zusammenhang gebracht. Das Konzept Web 2.0 steht in erster Linie für eine soziale und weniger für eine technologische Weiterentwicklung des Internets („For all this technology, what is important to recognize is that the emergence of the Web 2.0 is not a technological revolution, it is a social revolution“, Downes, 2005). Es folgt Prinzipien wie der Ermöglichung von Partizipation, Kommunikation und Interaktion sowie Kollaboration und Kooperation im öffentlichen Netz und wird entsprechend als ,Mitmachnetz‘ tituliert. Die Vernetzungsmöglichkeiten von Nutzer/innen und die (niedrigschwellige) Produktion von Inhalten sowie deren Qualitätssicherung (u.a. via Peer-to-Peer-Verfahren) wird durch sog. Social Software unterstützt. Dieser Teil des Internets, der sich vom (nur) individuell gestalteten Netz hin zum sozial gestaltbaren und gestalteten Netz entwickelt hat, wird auch als ,Social Web‘ bezeichnet. Ebersbach, Glaser und Heigl (2011) beschreiben das Social Web als bestehend aus „webbasierten Anwendungen, die für Menschen den Informationsaustausch, den Beziehungsaufbau und deren Pflege, die Kommunikation und die kollaborative Zusammenarbeit in einem gesellschaftlichen oder gemeinschaftlichen Kontext unterstützen, sowie den Daten, die dabei entstehen und den Beziehungen zwischen den Menschen, die diese Anwendungen nutzen“ (ebd., S.35). Bei den entsprechenden Anwendungen handelt es sich folglich um Social Software, wozu Wikis, Blogs, Microblogs, Social-Networks, Social Sharing und übergreifende Dienste wie RSS zu zählen seien (vgl. ebd., S. 37 ff.).

Aktuelle Nutzungszahlen für unterschiedliche Altersgruppen zum Web 2.0 (vgl. van Eimeren & Frees, 2010; Busemann & Gscheidle, 2010; mpfs, 2010a; b) zeigen allerdings, dass noch relativ wenige Nutzer/innen diese partizipativen Angebote des Social Webs tatsächlich wahrnehmen.

Das partizipative Netz bietet neben offensichtlichen Grenzen (u.a. Reinmann, Sporer & Vohle 2007; Schulmeister, 2009; Grell & Rau, 2010) das Potenzial, vielfältiger miteinander kommunizieren und interagieren zu können, kollaborativ und kooperativ zu arbeiten sowie Inhalte zu produzieren und zu veröffentlichen. Die genannten Prinzipien des Web 2.0 finden sich idealerweise im Bereich des informellen Lernens wieder, das naturgemäß gerade nicht didaktisch motiviert gestaltbar ist. Entsprechend wird in der Diskussion um E-Learning, verstanden als didaktisch begründete Einbindung von digitalen Medien in den Lehr- und Lernprozess, die Integration von Social Software in formale Bildungskontexte unter dem Schlagwort ‚E-Learning 2.0’ diskutiert (u.a. Downes, 2005). Die Diskussion um ein E-Learning 2.0 ist noch relativ jung, so dass sich bisher keine klare Begriffsbestimmung durchgesetzt hat. In diesem Sinne wird hier unter E-Learning 2.0 die Adaption der Web 2.0-Idee auf die Gestaltung von formalen Lern- und Lehrprozessen mit Social Software gefasst. Will man also Prinzipien des Web 2.0 in institutionelle oder formale Bildungskontexte integrieren, so entstehen Widersprüche, Herausforderungen und schlicht Grenzen. Service Learning kann hier eine geeignete Brücke zwischen formalen und informellen Lernkontexten darstellen. Gerade wenn es um die Gestaltung von Lehr- und Lernszenarien in formalen Bildungskontexten (z.B. in der Schule oder der Hochschule) und die Anleitung von Service Learning-Projekten geht, die es den Lernenden (z.B. Schüler/innen oder Studierende) ermöglichen sollen, das Prinzip hinter dem Service Learning zu erleben, könnten die Ideen des Social Webs und die technische Unterstützung hilfreich sein. Das soll im Folgenden unter dem Stichwort Service Learning 2.0 angesprochen werden.
 

Service Learning 2.0

Auf der Mikroebene der Lehr- und Lernprozesse oder von Unterricht stellt sich partizipatives Lernen sowohl als Ideal offener Lernformen als auch als Herausforderung auf Grund der institutionell bedingten Grenzen dar (vgl. ausführlich Mayrberger, 2012). Im Folgenden wird aufgezeigt, inwieweit digitale Medien als Bündel aller Technologien und elektronischen Anwendungen bis hin zu Social Software derart in formale Lehr- und Lernkontexte integriert werden können, dass es zu einer tatsächlichen oder zumindest akzeptierten Mitbestimmung der Lernenden bei der Gestaltung von Lehr- und Lernprozessen allgemein und im Besonderen von Service Learning kommen kann. Ein Weg liegt bei der didaktisch begründete Entscheidung der Lehrperson, in dem sie für sich klärt, welchen Grad an (Nicht-)Partizipation die eigene Lehre bzw. der eigenen Unterricht in kurzfristigen Phasen oder längerfristig haben soll und damit, welcher Entscheidungsspielraum allgemein und mit digitalen Medien im Besonderen auf Seiten der Schüler/innen liegt.

Für solche Entscheidungsprozesse, die sich letztlich auch auf den Partizipationsgrad der jeweiligen Service Learning-Projekte im Rahmen von Unterricht auswirken, kann folgendes Stufenmodell hilfreich sein. Dabei handelt es sich in erster Linie um ein Stufenmodell zur Identifikation und Beschreibung von Formen der Partizipation und solchen, die häufig dafür gehalten werden, aber im Sinne der vorliegenden Argumentation keine  Partizipation sind. Das meint, dass hier die Stufen der Pseudo- oder Schein-Beteiligung und die Nicht-Partizipation folglich nicht zum partizipativen Lernen gehören. Wenn partizipatives Lernen ausdrücklich das (medien-)pädagogische oder didaktische Ziel eines Vorhabens ist, dieses aber nicht über die Pseudo- oder Schein-Beteiligung hinaus kommt, kann man es im Sinne eines Entwicklungsprozesses als Vorstufen von Partizipation sehen. Trotzdem ist in diesem Fall die eigentliche Partizipation im Sinne von Mitwirkung, Mitbestimmung und Selbstbestimmung nicht realisiert worden. Wichtig ist es, dass das nachfolgende Stufenmodel nicht als lineares Modell zu verstehen ist, dessen Stufen zwangsläufig kumulativ aufeinander aufbauen. Die aufgezeigten Stufen grenzen vielmehr im analytischen Sinne die Grade von Partizipation ab
(vgl. ausführlicher Mayrberger, 2012).

 

Stufe

Typen

Stufen partizipativen Lernens in formalen Bildungskontexten

9

Über Partizipation hinaus; (volle) Autonomie

Selbstverwaltung bzw. Selbstorganisation, d.h. die völlige Entscheidungsfreiheit und Verantwortung für die Gestaltung von Lernprozessen liegt bei den Lernenden (als Individuum oder Gruppe), die Lehrenden werden ggf. informiert

8

Partizipation

Selbstbestimmung, d.h. Lernprozess wird nicht mit, sondern von Lernenden initiiert und Lehrenden (partnerschaftlich) unterstützt (z.B. Inhalte, Ziele, Methoden etc.)

7

Mitbestimmung, d.h. Beteiligungsrecht, das Lernende tatsächlich bei Entscheidungen mit einbezieht und ihnen Mitverantwortung überlässt. Die Idee für ein Lernvorhaben kommt von Lehrenden, doch alle Entscheidungen werden demokratisch mit den Lernenden getroffen (z.B. Methoden, Ablauf, Bewertungskriterien)

6

Mitwirkung, d.h. indirekte Einflussnahme um bei einem von Lehrenden gestalteten Lernsituation eigene Vorstellungen zu artikulieren, aber ohne bei der konkreten Umsetzung dabei zu sein (z.B. Feedbackrunden, Evaluation)

5

Pseudo- oder Schein-Beteiligung; Vorstufen der Partizipation

Einbeziehung, d.h. Lehrende bereiten für Lernende eine Lernumgebung vor und die Lernenden sind gut informiert, verstehen worum es geht und wissen, was das Vorhaben bewirken soll (z.B. Vorstrukturierte Projektarbeit)

4

Teilhabe, Anhörung, d.h. über die bloße Teilnahme hinaus können Lernende sich sporadisch beteiligen und werden nach ihren Interessen gefragt (z.B. Erwartungsabfrage)

3

Alibi-Teilnahme, d.h. Lernende haben nur scheinbar eine Stimme und werden über den Verlauf des Lehr- und Lernszenarios (z.B. Seminarplan) informiert

2

Nicht-Partizipation

Dekoration, Anweisung, d.h. Lernende wirken auf einer Veranstaltung (z.B. Podiumsdiskussion) mit, ohne zu wissen, worum es geht

1

Fremdbestimmung, Instrumentalisierung, d.h. Inhalte wie Arbeitsformen und Ergebnisse eines Vorhabens werden komplett fremddefiniert

Tab. 3: Stufenmodell für ein partizipatives Lernen im formalen Bildungskontext (Mayrberger, 2012)

Mit der Integration von Social Software in pädagogische Zusammenhänge geht zugleich auch die Aufgabe einher, den Lernenden das Lernen im und mit dem Social Web beizubringen, damit sich hier nicht eine weitere Quelle für die sogenannte ‚Digital Divide’ auftut. Erst die allmähliche Übertragung von Verantwortung für die Gestaltung der gemeinsamen und eigenen Lernprozesse kann die Kompetenz möglichst vieler Lernender stärken, eröffnete Handlungsräume für sich selbstbestimmt nutzen zu können. Wenn Schüler/innen beispielsweise ganz im Sinne der konstruktivistisch orientierten Perspektive der Sinn zur Nutzung eines Blogs oder eines Sozialen Netzwerks für das (soziale) Lernen erfahrungsorientiert und situiert deutlich wird, wissen sie um deren Potenziale für das Lernen und können solche Anwendungen bei Bedarf auch an anderer Stelle selbst nutzen. Von diesem Standpunkt aus betrachtet, ist es die Aufgabe der formalen Bildungsinstitutionen, vor allem aber der Schule und damit der Lehrer/innen allen Schüler/innen, ein Mindestmaß an partizipativen Lernen mit dem Social Web „beizubringen“ und damit in einer ermöglichenden Art authentisch zu verordnen. Für ein stufenweises „Beibringen“ oder Bereitstellen lerngruppenadäquater Erfahrungsräume für ein partizipatives Lernen spricht auch Weinerts (1982) Einschätzung, wonach je höher die Selbstwirksamkeit oder das Erleben der Verursachung eigener Lernprozesse und Lernleistungen ausfällt, desto positiver wirkt sich das auf die Entwicklung von Lernleistung aus. Dann kommt es also auch auf die gleichzeitige Förderung von Lernmotivation und Lernkompetenzen an. Dieses gilt ebenso für das Konzept des „Service Learning“, bei dem es gerade wichtig ist, dass nicht irgendein Projekt in einer sozialen Einrichtung durchgeführt wird, sondern eine bewusste Auseinandersetzung mit dem Engagement und dem Gegenstand des Engagements erfolgt, ganz im Sinne der oben beschriebenen Verbindung von Theorie und Praxis im Zuge der Durchführung von Projekten zum Service Learning. Ziel ist beim Service Learning, dass die Lernenden Mitwirkungsmöglichkeiten besitzen und sie in umfassenden Maße aus- und erleben dürfen und sollen, so dass sie sich aktiv im Rahmen sozialer Projekte einbringen können, um Prinzipien von Demokratie am eigenen Leibe zu erleben.

Beispiele für ein Service Learning 2.0 könnten dann sein, dass Schüler/innen den Auftrag erhalten, Bewohner/innen eines Seniorenheims in die Verwendung von Weblogs mit den jeweiligen Chancen und Problemen einzuführen, damit sie sich vermehrt mit Personen außerhalb des Hauses austauschen können, z.B. durch regelmäßige Blogbeiträge oder Podcasts über das Geschehen im Hause oder zu speziellen Themen, mit denen sich einzelne Bewohner/innen schon immer beschäftigt haben und wofür sie (Alltags-) Expert/innen sind.

Insgesamt lässt sich festhalten, dass Partizipation (mit und ohne digitale Medien) für alle Beteiligten voraussetzungsreich ist. Für den Moment kann in Anlehnung an Urban (2005) festgehalten werden, dass das Gelingen von Partizipation bzw. die Realisierung unterschiedlicher Grade von Partizipation im Wesentlichen von a) den Fähigkeiten und der Bereitschaft zur Mitgestaltung der Akteure und b) den strukturellen Gegebenheiten und institutionellen Rahmenbedingungen abhängt. Für den vorliegenden Kontext wäre das die Bereitschaft und Kompetenzen der Lernenden sich an der Gestaltung von Lehr- und Lernprozessen zu beteiligen sowie eine Lehr- und Lernkultur, die ein partizipatives Miteinander unterstützt. Darüber hinaus sind es auch c) Anlässe, die zur Beteiligung motivieren und die auf der Ebene von Unterricht von der didaktischen Gestaltung von Lehr- und Lernprozessen abhängig sind sowie mit Blick auf das Social Web d) mediale Artikulationsmöglichkeiten zur Partizipation wie z.B. das eigenverantwortliche Führen eines persönlichen oder gemeinschaftlichen Blogs oder das Erstellen von Podcasts.

Im Folgenden soll speziell auf E-Portfolios, Weblogs und Live-E-Learning als internetbasierte Werkzeuge eingegangen werden, die verschiedenartig für didaktische Belange im Service Learning genutzt werden können. Zum  einen sind sie dazu geeignet, Reflexionsprozesse zu unterstützen (Jahn, Trager und Wilbers, 2010). Zum anderen aber eignen sie sich auch dazu, den Verlauf des Projektes zu dokumentieren. Dadurch kann auch die Evaluation des Verlaufes bereichert werden, z. B. indem die Lernenden Bilder, Texte, Videos usw. aus ihren Tätigkeiten sammeln und digital zur Verfügung stellen. Weiterhin ist es das kooperative Lernen, welches durch Feedbackschleifen und Annotationen durch diese Instrumente verstärkt werden kann.

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