1.1.1 Ursprünge des Service Learning

Die Herkunft von Service Learning geht im Grunde auf zwei Entwicklungslinien zurück (Seifert, 2011, S. 21f). Die eine ist die Demokratiepädagogik, welche in den USA bereits seit den 1980 Jahren versucht das Bildungsziel zivilgesellschaftlicher Verantwortungsübernahme wiederzubeleben. Das freiwillige Engagement - der „Community Service“ -  wurde auch von Schulen und Hochschulen in Nordamerika zunehmend als wichtig wahrgenommen, um Phänomenen wie Politikverdrossenheit und geringer Identifikation mit dem eigenen sozialen Umfeld entgegen zu wirken. Ein vergleichbares Konzept zum „Community Service“ im amerikanischen Raum wäre in Deutschland der 12-monatige Bundesfreiwilligendienst1 oder die kurzfristigeren Angebote der Freiwilligenagenturen. Die Bedeutung des Engagements für die Identifikation und Motivation von Studierenden wird von Lehrenden als Grund genannt, Service Learning Kurs trotz des in der Regel höheren Aufwands durchzuführen. So argumentiert auch Jörg Miller, Dozent und Leiter des Zentrums für gesellschaftliches Lernen und soziale Verantwortung an der Universität Duisburg-Essen:

Eine zweite Entwicklungslinie liegt im Pragmatismus und der Bewegung des erfahrungsbasierten Lernens begründet. Vertreter des pädagogischen Pragmatismus argumentieren, dass Inhalte am besten verstanden, i.e. gelernt werden, wenn sie in realen Situationen veranschaulicht erlebt werden. Der pädagogische Pragmatismus ist dabei eine lehr-lerntheoretische Position, die dem Konstruktivismus nahe steht, denn dieser geht davon aus, dass Wissen vom Lernenden nicht passiv aufgenommen, sondern aktiv aufgebaut wird (von Glasersfeld, in: Hug, 2006, S. 353). Mehr zum erfahrungsbasierten Lernen und seinem Hauptvertreter John Dewey lesen Sie im Kapitel John Dewey & Experimental Education.

Service Learning wird nicht nur von zivilgesellschaftlichen Akteuren und Pädagogen eingefordert. Vor allem in Amerika, dem „Herkunftsland“ des Service Learning, stellen sich auch Vertreter von Hochschulleitungen hinter den Ansatz und betonen den gesellschaftlichen Auftrag ihrer Bildungseinrichtung. In Videointerviews erklären nun Verantwortliche von amerikanischen Universitäten, wieso gesellschaftliches Engagement für sie wichtig ist und wie es sich äußert.

Weitere Statements von Hochschulverantwortlichen
gibt es beim Stifterverband auf YouTube.

  1. 1. siehe http://www.bundesfreiwilligendienst.de/